Wissenschaft & Technik

Sprachanalysen statt Laborarbeit

Von den ca. 7.000 Sprachen der Erde gelten mehr als die Hälfte als gefährdet. Mit ihren Verschwinden würde nicht nur Kultur sondern auch ein grosses Wissen über Fauna und Flora verloren gehen.

Handelt es sich nicht um primitive Sprachen?

Primitiv bedeutet auf das notwendige reduziert und an eine einfache Lebensart angepasst. Genau da wollen Wissenschaftler ansetzen.

Die Sprachen der indigenen Völker bergen viel Wissen über die Natur?

Dieses Wissen ist für westliche Wissenschaftler sehr wertvoll, sind doch erst 20 % aller Arten des Tier- und Pflanzenreichs klassifiziert worden.

Durch das Leben mit der Natur ist dieses Wissen über lokale Ökosysteme so in die Sprache verwoben, das einfache Übersetzungen nichts nützen würden.

Auf welche Weise könnte Laborarbeit erspart werden?

Die indigene Taxonomie - die Systematik, mit der sie die Natur einteilen lässt Rückschlüsse auf Ursprünge zu, die mühsam zu rekonstruieren wären.

Sind auch Fragen genetischer Verwandtschaft durch dieses Einlassen auf fremde Kulturen zu beantworten?

Ja, auch das ist möglich.
Ein Beispiel: Sowohl Stahlkopfforelle als auch Cutthroat-Forelle werden von einem Volk im kanadischen British Columbia als Lachsarten bezeichnet: Gen-Analysen haben bestätigt, dass es sich tatsächlich bei beiden um Vertreter der Lachse handelt und um keine Forellen.