Gesundheit & Medizin

Das Krankenhaus der Zukunft ist Zuhause

Schon lange bekannt, ist dass der grösste Anteil des Gesundheitsbudgets für Klinikbehandlungen aufgewendet wird.


Im Jahre 2005 waren es ca. 34 Prozent der Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenkassen. 

Sind wir alle so krank und müssen so oft in die Klinik?

Nein, es lag am Finanzierungssystem. Kliniken verdienten nach dem Prinzip der „Verweildauer“. Je länger ein Patient im Krankenhaus zubrachte, desto höher waren die Einnahmen. So war es auch ein Anliegen der Kliniken, Patienten lange zu behalten, was aber zu hohen Kosten für die Krankenkassen führte.

Wurde nicht schon eine verkürzte Behandlungsdauer in Kliniken eingeführt?

Seit Januar 2004 sind Berechnungsgrundlage die sogenannten DRGs (Diagnosis Related Groups), die Bezahlung erfolgt nach Art der Erkrankung des Patienten.

 Der Klinikaufenthalt wird sich also verkürzen?

Kliniken profitieren heute von einer kurzen Verweildauer, wenn Patienten zügig behandelt werden. Der durchschnittliche Klinikaufenthalt von derzeit neun Tagen laut Ernst & Young soll in zehn Jahren auf rund vier Tage sinken. Nach diesen Prognosen wird auch ein Wandel im Gesundheitswesen stattfinden.

Wie könnte die Behandlung der Zukunft aussehen?

Wenn der Patient in die Klinik geht, hat er bereits die Voruntersuchung hinter sich und die Diagnose in der Tasche. D. h. er hat die Ergebnisse in seiner elektronischen Patientenakte gespeichert.

Er erscheint kurz vor der Operation und weist sich mit seiner Gesundheitskarte aus. Mit einem klinikeigenen Handy informiert er sich über seine Termine. So ist er rechtzeitig und ohne Wartezeit beim behandelnden Arzt.

Über das Tablet-PC ist der Arzt seinerseits über den Patienten informiert und hat bereits alle notwendigen Daten. Er wird operiert und wird nach dem Eingriff nach Hause entlassen.

Die Pflege findet also nicht mehr in der Klinik statt?

Patienten könnten in Zukunft mit einer mobilen Pflegehilfe betreut werden.

Was ist im Notfall, wenn es Komplikationen gibt?

Telemedizinische Kontrollgeräte messen automatisch alle Lebensäusserungen und speisen sie per Handy onlline in die elektronische Patientenakte. Ein Webcam behält den Patienten Tag und Nacht im Auge, falls eine unvorhergesehene Krise auftritt.

Wir kommen also an einer verkabelten Patientenbetreuung nicht vorbei?

Um die Kosten nicht explodieren zu lassen, führt kein Weg daran vorbei.

Ist das Krankenhaus im eigenen Heim noch in weiter Ferne?

Auf der letzten bedeutenden Fachveranstaltung, der Medica Media, im November 2006, wurde deutlich, medizinische Informationssysteme und Telemedizin halten Einzug in unsere Gesundheitssystem und sie sind wichtige Bausteine für die Versorgung zu Hause, auch wenn dies noch ein Konstrukt der Zukunft ist.

Auch für Praxen besteht Bedarf an digitalen Medizinalartikeln?

Der Informations- und Datenaustausch im Gesundheitswesen verläuft noch sehr unstrukturiert. Interne Abläufe ebenso wie die zwischen Praxen und Kliniken erfolgen oft unorganisiert. Hier wäre noch Bedarf an technischer Unterstützung.