Delikatesse oder Armenküche?
Hinter einer heutigen Delikatesse verstecken sich einstige Armenessen.Was gilt als Armenessen?
Schon immer gab es Zeiten von Missernten, Kriegen, Unwetter und Naturkatastrophen, in denen es an allem und vor allem an Essen fehlte.
So musste sich mit dem notwendigsten ernährt werden. Schliesslich war man, froh, wenn überhaupt etwas auf den Tisch kam.
Doch immer gab es auch hilfsbedürftige Menschen, die sich mit einem Minimum ernährten, das allgemein als Armenessen gab. Meist, weil es viel davon gab und billig war.
Auch das raffinierte Strecken und Ersetzen von Speisen war fast schon eine notwendige Kunst für manche Familien.
Armenessen auf unseren Teller
Was heute als Grundnahrungsmittel in Europa bezeichnet wird, ist in vielen Ländern heute noch ein Armenessen.
So ist Reis das Hauptnahrungsmittel in Asien und die Kartoffel ein lebenswichtiges Nahrungsmittel in Südamerika, vor allem in den Andenregionen.
Die Pasta war in Italien ein Armenessen, das nur mit wenig Käse bestreut, serviert wurde. Auch der Pizza haftet der Ruf eines ehemaligen Armenessens an. Auf alle Fälle war sie schon seit dem 18. Jahrhundert eine bürgerliche Speise.
Das berühmte schottische Gericht Haggis wurde einst in einfachen Küchen von Highlandfrauen für ihre Familien zubereitet.
Armenessen als Delikatesse
Verschiedene Armenessen haben sich gar zur Delikatesse entwickelt. So ist die Kastanie, vor allem als süsses Püree zubereitet heute eine Delikatesse, obgleich sie vor dem Einzug der Kartoffel die Hauptnahrung für mittellose Familien war.
Leinöl und Bruschetta wurden zu köstlichen Amuse-Gueule, denn was eine Delikatesse sein will, braucht auch einen entsprechenden Namen.
Bacalhau stand in Portugal häufig auf dem Speisplan armer Familien, ebenso wie Kaviar in Russland. Er wurde so viel konsumiert, dass er heute nur noch teuer als Delikatesse serviert wird.
Auch die Feijoada, die einst in brasilianischen Sklavenhütten aus den Abfällen der Herrenhäuser zubereitet wurde, findet sich heute wieder auf den Teller vieler Brasilianer und Einzug in viele noble Restaurants gehalten.